Jahrbuch - DRK

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JahrbuchDEUTSCHES ROTES KREUZ e. V.2017www.drk.de

DRK Jahrbuch 2017Deutsches Rotes Kreuz e. V.02Das Rote Kreuzin DeutschlandInhaltDas Rote Kreuzim AuslandDas Rote Kreuzim Überblickd r k- s u c h d i e n s t26bangladesch48Die Internationale Rotkreuzund Rothalbmond-Bewegung12pa r a d i g m e n w e c h s e l28südasien50Wie funktioniert das DRKin Deutschland?14v i e l f a lt29kurzbeitr äge52Ausgewählte Leistungen des DRK5415Controlling und itgliederübersichtEin kleiner Schatz unserer GesellschaftGesundheitlichen Bevölkerungsschutz neu denkenInterkulturelle Öffnung und Vielfalt im DRKHelfen öffnet Horizonte16j u g e n d r ot k r e uz- s u pe r ca m p18kurzbeitr äge200730Was geht mit MenschlichkeitHeimatlos in BangladeschHilfe für FlutopferNepal: Erfolge beim WiederaufbauExperten beraten zum BevölkerungsschutzDie Zukunft der KatastrophenvorsorgejemenÜberlebenshilfe im KrisengebietOnline-Spenden – sicher und einfach„ZEICHEN SETZEN!“: Preisgekröntes DesignNachhaltige Personalentwicklung im EhrenamtNeue Aufgabe: WirkungsorientierungHelfen 4.0Das Rote Kreuzund Finanzeni n n o v at i o n s l a b o rGemeinsam Veränderung in der Wohlfahrtspflege gestalten60Jahresabschluss21kurzbeitr äge60Erläuterungen zu ausgewähltenPositionen der Bilanz6122Bilanz des DRK-Bundesverbandesgemeinschaften62Gewinn- und Verlustrechnungdes DRK-Bundesverbandes63Erläuterungen zu ausgewähltenPositionen der Gewinn- undVerlustrechnung64Ausblick 201865Wiedergabe des umBlutspendedienste versorgen rund um die UhrRotkreuzschwesternschaften: Miteinander FüreinanderBergwacht: Partnerschaft für die SicherheitWasserwacht: Ausbildung für den Einsatz auf SeeWohlfahrts- und Sozialarbeit: Ehrenamtfür MitmenschlichkeitBereitschaften: Auf alle Notsituationen vorbereitet32somalia34syrien36ms helgoland37kurzbeitr ägeHilfe gegen den HungerHilfe, die ankommtEin Einsatz mit der Mission MenschlichkeitPartner in PeruVertrag für Atomwaffenverbot38f o r e c a s t- b a s e d f i n a n c i n gEhrenamt ist ein zentralesElement der Gesellschaft40Ausgaben für DRK-Projekte im Auslandbundesversammlung43umgang mit spendengerda hasselfeldt im interviewEin Glücksfall für das DRK0310DRK- JAHRBUCH 201704DRK Jahrbuch 2017Deutsches Rotes Kreuz e. V.Neue Wege in der KatastrophenvorsorgeWir sagen: „Danke!“

DRK Jahrbuch 2017Deutsches Rotes Kreuz e. V.05GERDA HASSELFELDT IM INTERVIEWEhrenamt ist ein zentralesElement der GesellschaftWas hat Sie gereizt, nach so vielen Jahren in der Politik die Rolle derDRK-Präsidentin zu übernehmen?Ich habe dieses Amt nicht angestrebt.Aber als ich im Sommer vergangenenJahres darum gebeten wurde, meine Erfahrungen und Kontakte in eine ehrenamtliche Tätigkeit einzubringen, war der Reizfür mich dann doch sehr groß. Denn auchin der Politik habe ich die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes immer gefördert undden vielfältigen Einsatz der ehrenamtlichenHelfer unterstützt. Es ist eine unheimlichwichtige Arbeit für unsere gesamte Gesellschaft, für Menschen in Not im Inland wieim Ausland. Außerdem bin ich dem Deutschen Roten Kreuz schon seit Jahren alsFördermitglied eng verbunden.Das DRK besteht aus dem General sekretariat, 19 Landesverbänden unddem Verband der Schwesternschaften sowie fast 500 Kreisverbändenund mehr als 4.300 Ortsvereinen.Werden Sie jetzt die große Deutschland-Tour starten?Ich bin bereits seit Wochen sehr viel inganz Deutschland unterwegs, um unsere Landes- und Kreisverbände und dievielen Ehrenamtlichen vor Ort näher kennenzulernen. Die föderale Struktur desDeutschen Roten Kreuzes ist eine unserer großen und zentralen Stärken. Geradeauch durch die vielen Kreisverbände undOrtsvereine sind wir vor Ort fest in derBevölkerung verwurzelt. Wir können dadurch genau dort für die Menschen aktivHilfe leisten, wo sie auch gebraucht wird.Gleichzeitig sind wir über das Generalsekretariat auf der bundesweiten Ebenepräsent und werden über die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung unserem Anspruch gerecht, weltumfassend humanitär zu agieren. In 191Mit Gerda Hasselfeldt steht erstmals eine Frau an derSpitze des Deutschen Roten Kreuzes. Seit Dezember 2017 istsie Präsidentin. Im Interview definiert die frühereBundesministerin ihre Visionen, Ziele und Ansprüche.Frau mit ErfahrungGerda Hasselfeldt ist studierte Volkswirtinund war Bundesministerin in verschiedenenRessorts. Ihre Erfahrungen und ihr Netzwerkstellt sie nun dem DRK zur Verfügung.Wer in jungen Jahren erfährt, dassHelfen Freude und Spaß macht, dass man dabeiFreunde, Wertschätzung und Anerkennungfindet und eine ganze Menge noch dazulernt, der findet als Erwachsener oft wieder zueinem solchen Engagement zurück.Gerda HasselfeldtDRK-PräsidentinLändern der Erde gibt es eine Nationale Rotkreuz- oder Rothalbmond-Gesellschaft. Einerseits diese lokale Verankerung vor Ort, andererseits die Einbindungin ein starkes internationales humanitäresNetzwerk – das macht die Einzigartigkeitund besondere Stellung des DeutschenRoten Kreuzes aus.Was wollen sie bewegenim neuen Amt?Mir liegt sehr viel daran, das Ehrenamt weiter gezielt zu fördern und zu stärken. Es istein zentrales Fundament unserer Gesellschaft. Allein im Deutschen Roten Kreuzhaben wir drei Millionen Fördermitglieder, die Zahl der Ehrenamtlichen ist erfreulicherweise seit 2010 von 395.000 auf425.000 gewachsen – der demografischenEntwicklung zum Trotz. Das gute Miteinander von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen ist dabei eine Besonderheit und Stärke in unserem Deutschen Roten Kreuz.Bei welchen Bevölkerungsgruppensehen Sie noch Potenzial für dasEhrenamt?Das Wichtigste ist, immer wieder die Jugend zu begeistern. Wer in jungen Jahren erfährt, dass Helfen Freude und Spaßmacht, dass man dabei Freunde, Wertschätzung und Anerkennung findet undeine ganze Menge noch dazu lernt, derfindet als Erwachsener oft wieder zu einem solchen Engagement zurück. Eingroßes Potenzial sehe ich außerdem beider älteren Generation, aber auch beiMenschen mit Migrationshintergrund.Insbesondere bei der großen und zentralen Aufgabe der Integration brauchen wirderen Hilfe und aktive Beteiligung.Wie gut sind die DRK-Freiwilligendienste aufgestellt?Wir sind nach wie vor größter Anbieter imFreiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und auchim Bundesfreiwilligendienst (BFD) gut dabei. Da es noch immer mehr Bewerberals Plätze gibt, müssen diese vom Bundbedarfsgerecht aufgestockt werden. Dabei dürfen wir die Qualität der pädagogischen Betreuung nicht vernachlässigen.Zudem läuft der BFD mit Flüchtlingsbezug Ende des Jahres 2018 aus. Dieses Sonderprogramm sollte ab 2019 indie regulären Freiwilligendienste FSJ undBFD überführt werden. Mit diesen Mitteln könnten wir Geflüchtete und andere benachteiligte Zielgruppen noch besser in die Freiwilligendienste integrieren.Das sollte die neue Bundesregierung zügig angehen.Wo sehen Sie weitere große Herausforderungen?Wir haben weltweit eine Zunahme an Katastrophen, zwei Drittel davon hängenmit dem Klimawandel zusammen. Auchin Europa und Deutschland müssen wiruns stärker auf Extremwetterereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen oder Hitzewellen einstellen. Die Be-

DRK Jahrbuch 2017Deutsches Rotes Kreuz e. V.06drohung durch Terror oder Cyberangriffeauf unsere Infrastruktur nimmt ebenfallszu. Der Ausbruch von Ebola in Westafrikahat gezeigt, dass die Vorbereitungen aufepidemiologische und pandemische Lagen auch in Deutschland verbesserungswürdig sind. Der Bevölkerungsschutz inDeutschland muss hier ganz neu aufgestellt werden. Außerdem müssen wir unsden Herausforderungen durch den demografischen Wandel stellen. Es gibt zumBeispiel im Rettungsdienst, in den Kitasund in der Pflege einen massiven Mangel an Fachpersonal und einen intensivenWettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter.Es geht aber auch um eine Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung fürdie Bevölkerung im ländlichen Raum. Hiermüssen wir als Deutsches Rotes Kreuzgesamtverbandliche Antworten finden.Welche Maßnahmen sehen Sie alsnotwendig an gegen den Fachkräftemangel in der stationären Langzeitpflege und in der Krankenhauspflege?Wir müssen aufpassen, dass wir die Pflege nicht schlecht reden. Es ist nicht nureine anstrengende, sondern auch eine erfüllende Tätigkeit. Notwendig ist eine umfassende und nachhaltige Strategie gegenden Personalmangel. Es gilt, die Attraktivität des Pflegeberufes und die gesellschaftliche Akzeptanz – insbesondere auch imBereich der Altenpflege – zu steigern. GuteRahmenbedingungen wie angemessenes Entgelt, Vereinbarkeit von Familie undBeruf, aber auch Qualifizierungsmöglichkeiten und Karrierechancen sind hierbeiwichtige Faktoren. Diese Prozesse werdeich begleiten und unterstützen.Wie wichtig sind die DRKBlutspendedienste?Was unsere DRK-Blutspendedienstemit Hilfe von Hundertausenden freiwilligen Blutspendern leisten, ist beeindruckend. An sieben Tagen pro Woche stellen sie rund um die Uhr flächendeckenddie Blutversorgung in ganz Deutschlandsicher. Ohne unsere DRK-Blutspendedienste wäre die Blutversorgung als Teilder Daseinsvorsorge in Deutschland nichtmöglich. Damit wird gewährleistet, dassjeder, wirklich jeder Mensch in Deutsch-land Zugang zu einer sicheren und umfassenden Blutversorgung erhält. UnsereDRK-Blutspendedienste stellen somit dienationale Blutreserve auch für besondereLagen dar und versorgen auch Teile unserer Streitkräfte mit Blut.Wie bewerten Sie die internationaleFlüchtlingsbewegung?Noch nie seit Ende des Zweiten Weltkrieges waren weltweit mehr Menschenauf der Flucht vor Gewalt als derzeit. DieMenschen überqueren als Flüchtlinge internationale Grenzen oder sind in ihremHeimatland vertrieben. Von den mehr als65 Millionen Menschen auf der Flucht su-chen zwei Drittel – also etwa 43 Millionen –innerhalb ihres eigenen Staates Schutzvor Gewalt und Verfolgung als sogenannte Binnenvertriebene. Diese Menschenstehen leider selten im Fokus; umso mehrhaben wir als Rotes Kreuz hier eine besondere Verpflichtung, aber auch häufigeinen Zugang, den sonst niemand hat.Besonders schlimm: Mehr als die Hälfteder Menschen auf der Flucht sind Kinderunter 18 Jahren. Die Gründe für Fluchtund Vertreibung sind oft Armut undKrieg. Aber auch die Fluchtbewegungenals Folge von Katastrophen nehmen zu,häufig aufgrund des Klimawandels. Diese Aspekte werden wir in unserer internationalen Arbeit verstärkt berücksichtigen.Gesellschaftliche Anerkennung„Für den Pflegeberuf ist eine umfassende und nachhaltige Strategie gegen denPersonalmangel notwendig. Die Attraktivität und die gesellschaftliche Akzeptanzmüssen gesteigert werden.“, sagt DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt.DRK Jahrbuch 2017Deutsches Rotes Kreuz e. V.07Bundesversammlung:Ein Glücksfallfür das DRKMit Herz und Tatkraft hat sich Dr. Rudolf Seiters 14 Jahrelang als DRK-Präsident in der deutschen humanitären Hilfeengagiert. Auf der 67. Ordentlichen Bundesversammlung am1. Dezember 2017 in Berlin wurde er in den verdienten Ruhestand verabschiedet und zum Ehrenpräsidenten ernannt.Zur Nachfolgerin wurde einstimmig Gerda Hasselfeldt gewählt.Erst wenige Wochen zuvor hatte der ehemalige Bundesminister seinen 80. Geburtstag gefeiert. „Rudolf Seiters war einGlücksfall für das DRK. Er hat es verstanden, die Menschen im In- und Auslandfür die Arbeit des DRK zu begeistern“, soNachrichtensprecher und DRK-Botschafter Jan Hofer in einer Festschrift, in derPolitiker und Prominente die Leistungendes langjährigen Präsidenten würdigen.Dazu gehört auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie schreibt: „Rudolf Seitersdient dem Gemeinwohl aus tiefer Überzeugung sowie aus seiner politischen Erfahrung heraus, dass der Staat zwar einiges, aber längst nicht alles leisten kann.“Seiters selbst zog in einer beeindruckenden Abschiedsrede vor der Bundesversammlung Bilanz seiner Amtszeit.Eindringlich beschrieb er Erfolge und Herausforderungen des Roten Kreuzes angesichts weltweiter und nationaler Veränderungen – vom Klimawandel über dieKatastrophenhilfe bis hin zur Kinder- undJugendarbeit. Sein Credo: „Wir müssendas Wesentliche, das uns ausmacht, bewahren, Wissen und Erfahrungen weitergeben und gleichzeitig offen sein für neueFormen der Unterstützung und Hilfe fürdie Zukunft entwickeln.“Einstimmig ernannte die Bundesversammlung Rudolf Seiters zum Ehrenpräsidentenund wählte mit Gerda Hasselfeldt eine engagierte und bundesweit anerkannte Per-sönlichkeit an die Spitze des DRK. „Ichfreue mich sehr auf meine neue ehrenamtliche Aufgabe. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Menschen in Not zu helfen,ob in Deutschland oder in den vielen Krisen- und Katastrophenregionen der Welt“,sagte die neue DRK-Präsidentin.Ulrike Würth aus Stuttgart wurde als neueBundesleiterin der Wohlfahrts- und Sozialarbeit erstmals in das Präsidium gewählt. Die pensionierte Oberstudienrätinist seit 2014 Landesleiterin Sozialarbeitin Baden-Württemberg. Zuvor hatte siesich vor allem im Jugendrotkreuz, so von2001 bis 2004 als JRK-Bundesleiterin,engagiert.Neuer Vertreter der Wasserwacht im Präsidium ist Andreas Geuther aus Oberauin Bayern. In den vergangenen drei Jahrzehnten war er in zahlreichen Katastropheneinsätzen als Einsatzleiter vor Ortund brachte auch bei Auslandseinsätzenin Kroatien, Haiti oder in Sri Lanka seineErfahrungen ein.Über Erfahrungen in internationalen Hilfs einsätzen verfügt auch Professor Dr.med. Volker Lischke aus Frankfurt amMain, der als Vertreter der Bergwacht neuins Präsidium gewählt wurde. Als Bergwacht-Bundesarzt und Mitglied der Bundesleitung Bergwacht setzt er sich besonders für die Aus- und Weiterbildung inder Bergwacht ein.Ein starkes TeamOben Unermüdlich war Rudolf Seiters unterwegs, um den Verband zu repräsentieren –rund 100.000 Kilometer im Jahr. EhefrauBrigitte stärkte ihm stets den Rücken. Jetzthat das Paar endlich mehr Zeit füreinander.Unten Strahlende Gesichter bei der Staffelübergabe: (v. l. n. r.) Dr. Rudolf Seiters,Gerda Hasselfeldt, Thomas de Maiziere(Bundesinnenminister) und DRK-General sekretär Christian Reuter.GUT ZU WISSENOberstes OrganDie Bundesversammlung ist dasoberste Beschlussorgan des DRK.Es setzt sich zusammen aus Delegierten der 19 Landesverbände sowiedes Verbandes der Schwestern schaften vom DRK. Die Amtszeitdes DRK-Präsidenten bzw. derDRK-Präsidentin beträgt vier Jahre.KURZLINKwww.drk.de/bundesversammlung

09K APITEL 1Das Rote Kreuzin DeutschlandÜber 400.000 ehrenamtliche und 165.000 hauptamtlicheMitarbeiter machen das Rote Kreuz in Deutschlandstark. Ob beim gesundheitlichen Bevölkerungsschutz,bei der Absicherung von Veranstaltungen oder bei derUnterstützung Hilfsbedürftiger im Alltag – die Helfersind Tag und Nacht im Einsatz. Bereits der Nachwuchsengagiert sich mit Begeisterung im Jugendrotkreuz.2017 betreute das DRK weiter zahlreiche Geflüchtete.Der Suchdienst konnte viele Familien zusammenführen.Auch gewinnt die Interkulturelle Öffnung innerhalb desVerbandes eine immer größere Bedeutung.

DRK Jahrbuch 2017Deutsches Rotes Kreuz e. V.10DRK Jahrbuch 2017Deutsches Rotes Kreuz e. V.Das DRK im ÜberblickDas DRK und FinanzenDas DRK in DeutschlandDas DRK im Ausland11VERMISSTEin kleiner Schatzunserer GesellschaftDer DRK-Suchdienst hilft Menschen wie Günter Peleiski undHouidah W., ihre vermissten Angehörigen zu finden und siewieder zu vereinen. Die 2017 erneuerte Suchdienstvereinbarungmit der Bundesregierung sichert seine Arbeit langfristig.Günter Peleiski ist glücklich. Nach 72Jahren hat er endlich Familie: seineSchwester Christel, die er dank seinerBeharrlichkeit und des DRK-Suchdienstes gefunden hat. Die Familie der beidenist gegen Ende des Zweiten Weltkriegsauseinandergerissen worden, auf derFlucht aus Ostpreußen. Christel kommtmit der Mutter nach Mecklenburg-Vorpommern, Günter etwas später mit einem Kindertransport ins Erzgebirge. Fürden Zweijährigen beginnt eine Odysseedurch Kinderheime und Kliniken, bis er zueiner Pflegefamilie kommt. Weil GüntersGeburtsdatum und die Namen der Elternunbekannt sind und weil das einzige Dokument, das er bei sich hatte – ein zerrissenes Pappschild – nur die Hälfte seinesNachnamens zeigt, bleiben erste Nachforschungen durch den DRK-Kindersuchdienst erfolglos. Aus Günter Pelekies wirdIch wollte unbedingtherausfinden, wer meineMutter war. Dass ich nocheine Schwester hatte,wusste ich gar nicht.Günter PeleiskiGünter Peleiski. Trotz der Schwierigkeiten gibt der Maschinenbauingenieur nichtauf: „Ich wollte unbedingt herausfinden,wer meine Mutter war. Dass ich nocheine Schwester hatte, wusste ich garnicht“, sagt der 74-Jährige. Nachdem er2013 endlich Dokumente findet, aus denen sein damaliger Name und der seinerMutter hervorgehen, meldet sich GünterPeleiski beim DRK-Suchdienst. Die Nachforschungen dauern über drei Jahre, bisdie Mitarbeiter schließlich aufklären, dassdie Mutter im mecklenburgischen Lüssowgelebt hat und inzwischen verstorben ist.Doch die akribische Suche führt auch zurfast 80-jährigen Schwester, deren Namen und Wohnort Günter Peleiski am 21.März 2017 mit ihrem Einverständnis erfährt. Wenig später telefonieren die Geschwister und treffen sich: „Da war eineVertrautheit von Anfang an, es war gleichGeschwisterliebe“, sagen sie einhellig.Neue SuchdienstvereinbarungWie Günther Peleiski zuvor haben sich2017 rund 8.600 Menschen an denDRK-Suchdienst gewandt, um dieSchicksale ihrer Angehörigen im Zweiten Weltkrieg zu klären. Die neue Suchdienstvereinbarung, die DRK-PräsidentDr. Rudolf Seiters und Bundesinnenminister Thomas de Maizière am 5. Juli2017 unterzeichneten, trägt diesem Informationsbedürfnis Rechnung. Sie siehtunter anderem vor, dass die Klärungvon Vermisstenschicksalen des Zweiten Weltkrieges bis Ende 2023 weitergeführt wird. Die Vereinbarung zwischenBundesinnenministerium und DeutschemRoten Kreuz stärkt überdies die Rolledes DRK-Suchdienstes und sichert seine Finanzierung: Sie legt fest, dass derDRK-Suchdienst weiterhin im Auftrag derBundesregierung Menschen hilft, die infolge von bewaffneten Konflikten, Flucht,Vertreibung und Katastrophen von ihren Angehörigen getrennt wurden, undbei der Familienzusammenführung berät. „Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes erfüllt seit Jahrzehnten eineunverzichtbare Rolle bei der Suche nachund der Zusammenführung von Angehörigen“, sagte Bundesinnenminister deMaizière bei der Unterzeichnung. „Mitder neuen Vereinbarung machen wir klar,welch hohen Wert wir dieser Aufgabe zurLinderung von Leid durch Flucht und Vertreibung beimessen. Der Suchdienst istein kleiner Schatz unserer Gesellschaft.“Rudolf Seiters indes dankte der Bundesregierung, die weiterhin zu ihrer humanitären Verpflichtung stehe. „Die andauernden weltweiten Konflikte, ursächlichfür Millionen von Flüchtlingen, zeigen, wieunverzichtbar eine international vernetzteInstitution wie der DRK-Suchdienst auchin Zukunft ist“, sagte er. Das wird aucham Beispiel der Familie von Houidah W. *deutlich, die während der Flucht vor derGewalt in Syrien getrennt wurde:Getrennt über Grenzen hinwegAnfang August 2015 flieht Houidah mit dreiTöchtern aus ihrer Heimatstadt im OstenSyriens und schafft es nach Deutschland,während es Houidahs Mann etwas spätergelingt, mit zwei Kindern Griechenland zuerreichen. Einzig ihr 15-jähriger Sohn Ahmad * wird weiterhin in Syrien festgehalten.Doch die Familie kann erreichen, dass Ahmad frei kommt, und ihn in Damaskus unterbringen. Sie bleiben getrennt. Das Mobiltelefon ist die einzige Möglichkeit, um inKontakt zu bleiben. Beim Suchdienst desDRK-Landesverbandes Brandenburg findet Houidah W. Hilfe. „Ich wollte ihr keinefalschen Hoffnungen machen. Die Chancen für einen Familiennachzug mit Houidahs Aufenthaltstitel standen nicht gut“,erinnert sich Stefanie Lewis, Leiterin desDRK-Suchdienstes in Brandenburg. Dochsie legt los und erwirkt eine Vorabzustimmung zur Beantragung eines Visums aushumanitären Gründen. Zahlreiche Ämtergänge und Telefonate folgen und Houidahkommt jede Woche in ihr Büro, um dasweitere Vorgehen zu besprechen. Zuerstverspricht die Arbeit Erfolg, doch dannkommt die erschütternde Absage: DerFamiliennachzug ist ausgesetzt. StefanieLewis lässt sich nicht entmutigen. „Nachdem weiten Weg, den wir scho

Das Rote Kreuz in Deutschland Das Rote Kreuz im Ausland Das Rote Kreuz im Überblick Das Rote Kreuz und Finanzen DRK-JAHRBUCH 2017 Jahresabschluss Erläuterungen zu ausgewählten Positionen der Bilanz Bilanz des DRK-Bundesverbandes Gewinn- und Verlustrechnung des DRK-Bundesverbandes

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